Charlie, das Leben und die Zirkuswelt

Charlie Chaplin hat an seinem 70. Geburtstag eine bekannte Rede gehalten. Seine Worte berühren. Wenn Chaplin nicht gerade Reden hält, ist er eher Stumm. Stumm im Stummfilmunterhält er mit vielsagender Mimik und Gestik seine Zuschauer, treibt Schabernack und nimmt uns für einen kurzen Moment mit in eine neue Welt.

Eine Welt voller Witz und Humor, gleichzeitig aber eine Welt, die wir als Zuschauer plötzlich mit anderen Augen sehen. Gesellschaftliche Strukturen werden hinterfragt und wirken mit einem Mal skurril und lächerlich. Chaplin wechselt Perspektiven, interpretiert und bringt uns dazu, dasselbe zu tun. Was also kann Humor? Was die Clownerie? Und was hat eine Zirkusweltreise damit zu tun? Bei unseren Vorbereitungen denken wir darüber nach:


Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist –
von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man VERTRAUEN.

Vertrauen. Wir können es erlernen. Wir können es haben. Viele sagen, wir können es verlieren. Vertrauen „besitzen“, das klingt, wie ein Gegenstand. Wie ein Haustürschlüssel, den wir besitzen, mit dem wir unser eigenes Reich öffnen und verschließen können, und den wir verlieren können. Vertrauen ist vielleicht sogar ein Multifunktionsschlüssel, ein Allzweckwerkzeug: Vertrauen in uns selbst, Vertrauen in unser Gegenüber, Vertrauen in die Welt, Vertrauen in den Lauf der Dinge. Für Chaplin ist Vertrauen etwas, das ihn zu jeder Zeit am richtigen Ort sein lässt, und das auch noch bei jeder Gelegenheit. Er sagt, all das beginnt damit, sich selbst zu lieben, ruhig zu sein.

Da stellt sich für uns also nur noch die Frage: Was bitte, hat ein lauter, bunter, farbenfroher Zirkus mit Ruhe zu tun?
Vielleicht ist es eine gute Idee, an dieser Stelle mit dem Clown zu beginnen. Welche Werkzeuge braucht ein Clown? Luftballons? Einen Koffer? Große Schuhe? Eine rote Nase? Nein, wichtig ist das alles nicht. Der Clown braucht – wie könnte es anders sein – Vertrauen. Zuerst einmal hat der Clown Vertrauen in sich selbst. Er lebt im Moment. Dieser Moment bedeutet, dass er zu jeder Zeit am richtigen Ort ist. Er ist offen, für die Dinge, die auf ihn zukommen. Er ist Präsent, wachsam, schlüpft in verschiedenste Rollen und ist mit jeder einzelnen dieser Rollen vertraut. Ja, er traut sich, Dinge zu tun, die fernab gesellschaftlicher Normen und Werte sind. Er vertraut sich selbst so sehr, dass er auch bei seinen Mitmenschen Vertrauen erweckt. Auf eine humorvolle Art spiegelt er den Menschen ihre Verhaltensweisen und vielleicht auch die Probleme, die damit einhergehen. Er regt das Publikum dazu an, freier zu denken, neue Wege mit ihm zu gehen. Diese Wege sind meist unkonventionell und überraschend.
Wir alle haben die Chance zu erfahren, dass alles, was geschieht richtig ist. In jedem steckt ein inneres Kind, ein Clown, der gehört werden möchte. Jemand der uns sagt, dass alles gut ist und dass unsere innere Ruhe und unser Vertrauen neue Wege bergen. Zu jeder Zeit, an jedem Ort. Unser Vertrauen ist ein Schlüssel, unser Haus ist ein inneres Kind, ein Clown. Unser Humor ist der Weg, dieses Haus mit neuen Augen zu erkunden, Vertrauen in die Welt zu haben und uns einzulassen. Uns selbst zu lieben bedeutet, uns selbst nicht zu kritisch, nicht zu ernst gegenüber zu stehen. Uns selbst zu lieben bedeutet, dem inneren Kind die Hand zu reichen und den großen Problemen unseres eigenen Lebens mit kindlichem Eifer entgegenzutreten.

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