Italien – Ampelgehampel und Bunkerberge

Da sind wir wieder mit unserem zweiten kleinen Beitrag. Diesmal: Italien. Zum ersten Mal sind wir beide jetzt alleine unterwegs. Aber das kann sich immer schnell ändern.

Wir sind in Turin. Die letzte Nacht haben wir in einem kleinen Städtchen, das auf den Namen Avigliana hört, verbracht. Dort wurden wir von einigen italienischen Hippies zu Lagerfeuer, gekochtem Mais vom Feld und Kartoffeln mit Salz und Butter aus der Glut eingeladen. Lecker. Wir hatten dort in die Flammen geschaut, uns unterhalten und einiges über Turin erfahren, sodass wir am nächsten Morgen gleich aufbrachen.

Nun sind wir in einer riesigen Stadt, die sich trotz des eindeutig sommerlichen Wetters eher wie die Stadt des ewigen Herbstes präsentiert. Überall liegt trockenes braunes Laub auf den Straßen und jeder Schritt löst ein knistern unter den Schuhsolen aus. Unsere Granny hat es sich auf einem verlassenen Militärgelände gemütlich gemacht, auf dem sie viele neue Freunde finden könnte, wenn sie wollte: Auf dem ganzen Platz verteilt stehen alte Wohnmobile oder Wohnwägen aus denen hin und wieder junge und alte Menschen zum Vorschein kommen. Zwischen diesen ganzen Rostlauben wirkt unser Gefährt fast wie ein Eindringling aus der Neuzeit. Aber nicht nur unsere Granny findet ihresgleichen. Auch wir erfahren, dass die meisten jungen Leute hier einer der beiden Zirkusschulen in Turin entsprungen sind. Scheinbar sammeln sich die Straßenkünstler Norditaliens im Sommer am Piazza d´Armi. Viele Menschen leben aber das ganze Jahr über hier. Wir erfahren, dass es in Turin sehr verbreitet ist, an den Ampeln mit langer Rotphase zu Jonglieren, und tatsächlich: Auf dem Weg zu diesem Gelände sind wir mit unserer Granny bereits an einem Seifenblasenmacher und einem Jongleur vorbei gefahren.

Für uns heißt es jetzt also ein weiteres Mal Mut beweisen. Irgendwie müssen wir ja zu Geld kommen, denn die nächste Tankrechnung kommt bestimmt. Zwar haben wir einen Kanister voller günstigerem Diesel aus Frankreich mit dabei, allerdings wird auch das nicht reichen. In Italien kostet der Liter 1.35€! Um weiter fahren zu können, müssen wir also an die Ampel.

Wir laufen eine halbe Ewigkeit durch das herbstlich-sommerliche Turin, immer auf der Suche nach der perfekten Rotphase. Gar nicht so einfach. Und dann tun wir es. Wir sind beide ziemlich aufgeregt und als die Ampel für die Autos auf Rot springt, hüpfen wir auf den Zebrastreifen und beginnen zu Jonglieren. In der allerersten Runde gehen wir leer aus. Nach und nach merken wir aber wie lange eine Rotphase wirklich ist, wann wir Geld einsammeln müssen, welche Rotphasen sich überhaupt nicht lohnen, dass wir auch mal Pausen brauchen und wir haben schnell einen festen Ablauf: Zuerst wird mit sechs Keulen zu zweit voreinander jongliert und dann klettere ich auf Roberts Schultern und wir Jonglieren im 2-Mann-hoch (ja ja, „gendermäßig“ wieder unter aller Sau)! Kurz bevor die Motoren aufheulen und die Ampel wieder ihre Farbe wechselt, laufen wir durch die wartenden Autos, sammeln ein paar Kröten ein und ernten ab und an ein: „Belissimo“ oder „Bravo“.

Wir verdienen genug um zufrieden zu sein und nach zwei Tagen Turin mit mehreren Ampelsessions geht es für uns weiter. Roberts Eltern sind gerade auch in Italien. Allerdings in Sexten an der österreichischen Grenze. Da wollen wir ja so gar nicht hin. Aber Roberts Eltern zu treffen wäre schön, außerdem haben die beiden Roberts verspätete DKB Karten und Passwörter dabei. Im Moment haben wir gar kein richtiges Konto, da bei meinem Wüstenrot Konto etwas mit dem Pin schief gelaufen ist und die DKB wie gesagt noch gar nicht richtig eröffnet ist. Also was tun? Roberts Eltern können uns leider nicht entgegen kommen, da sie auf Hütten in den Dolomiten wandern und klettern und damit etwas mehr gebunden sind. Wir müssen es also tun. 500km in die falsche Richtung fahren. Außerdem ist schlechtes Wetter, wir sitzen etwas frustriert im Bus und zu guter Letzt haben Roberts Eltern einen Schaden am Auto, sodass gar nicht klar ist, ob wir sie überhaupt noch treffen. Aber was könnte man in zwei Tagen Dauerregen auch besseres tun als im Auto zu sitzen, zu fahren und sich den verregneten Gardasee und die Alpen anzusehen?

Dann sind wir da. Sexten ist ein kleiner, sehr touristischer Ort, aber die Landschaft ist wirklich schön. Roberts Eltern laden uns nachts um halb 11 noch auf eine Pizza ein. Die Nacht ist unglaublich kalt und am nächsten Tag ist die Nase unserer Granny gefroren. Nachdem wir uns von den warmen Schlafsackdaunen lösen konnten laufen wir durch die kühle Morgenluft ins Hotel zu Roberts Eltern und bekommen dort ein königliches Frühstück spendiert. Außerdem können wir endlich so richtig duschen!

Dann gehen wir wandern. Immer weiter hoch in die Dolomiten. Auf 1900 Metern erreichen wir einen riesigen Bunker aus dem zweiten Weltkrieg, der direkt in den Berg gebaut wurde. Mussolini hat ihn dort als Schutz vor eventuellen Angriffen von deutscher Seite errichten lassen. Bei dem Bau sind wohl mehr Menschen gestorben, als in diesem Gebiet im eigentlichen Krieg: Der Bunker wurde nie genutzt. Robert und sein Vater sind kriegsbunkerbegeistert, während Roberts Mutter und ich lieber noch ein bisschen durch die Landschaft schlendern.

Da rein? Ne!

Für eine halbe Stunde sind die beiden im Felsen verschwunden. Eigentlich ist der Bunker zugemauert und sollte nicht betreten werden, allerdings hat die Mauer ein Loch. Schlussendlich sind unsere beiden Höhlenforscher wohlbehalten zurück und haben dort im Felsen einiges erlebt.

Wir hatten eine tolle Zeit zusammen mit Roberts Eltern.

Für uns beide geht es dann von Sexten durchs Gailtal nach Bled. Mit viel pubertärer Phantasie kann man das ganz schön lustig finden :D.

 

Und jetzt: Hello Slovenia!

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Ihr Beiden!
    Das geht doch schon einmal schön bei Euch los. Schlechtes Wetter hin oder her. Gute Laune ist wichtig. Und die habt Ihr ja.
    Ein schöner Beitrag. Weiterhin gute Fahrt und liebe Grüße
    Ertay

    • Lieber Ertay,

      Wie schön von dir zu hören! Danke dir nochmal für deine großartige Hilfe!!! Ganz viele liebe Grüße nach Köln auch an deine Familie!!

  2. Hallo ihr Zwei! 🙂
    Schön zu sehen, dass es euch gut geht und das ihr euren Traum verfolgt! Es ist schön das wir daran Teil haben dürfen und so etwas von euch sehen und hören können. Man hat richtig Freunde beim lesen und kann sich kleine Bildchen vorstellen. Ab und an mussten wir schmunzeln . Es wird immer Höhen und Tiefen oder gutes und schlechtes Wetter geben jedoch kann man aus allem etwas gutes heraus holen. Fühl Euch gedrückt und fahrt weiterhin vorsichtig. Wir freuen uns auf den nächsten Beitrag. Liebe Grüße Rico Ines und Luki

    • Hallo ihr drei,

      Vielen lieben Dank für eure Nachricht und das tolle Feedback. Wir haben uns sehr gefreut von euch zu lesen. Wir hoffen es geht euch gut.

      Allerliebste Grüße und bis bald,

      Robert und Geraldine

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