Update „Granny“

Unser Bus – Unsere „Granny“

Die Straßen dieser Welt bereist sie seit Juli 1992 und bis zum Oktober 2016 ist sie ganze 268.000km gelaufen. Für einen alten Mercedes Benz 208D ist sie damit grade einmal richtig warmgelaufen, wie uns verschiedene KFZ-Begeisterte Menschen, wie mein Vater, mitteilten. Er, als TÜV Prüfer, wollte sich selbstverständlich gleich ein Bild von dem Gefährt machen, mit dem sein Sohn plant um die Welt zu fahren. Nach einer gründlichen TÜV-Untersuchung und einer langen Liste an Dingen, die noch repariert bzw. ganz erneuert werden sollten, fragten wir ihn ob wir von ihm die TÜV – Plakette bekommen hätten. Wir bekamen von ihm nur ein Kopfschütteln, weil die Menge der kleinen Mängel zu gravierend seien.

Allerdings, wie das halt so ist bei alten Autos, hat die Blechschale unserer Granny doch schon einige Gebrauchsspuren aufzuweisen. Der Rost hat sich an einigen Stellen schon breit gemacht und ziemlich viel ausgefressen. Besonders die Seitenbleche ,beidseitig, haben schon bessere Tage gesehen und so kamen auf uns doch noch so einige arbeitsintensive Stunden zu, um dem Rost wenigstens ein bisschen was entgegenzusetzen. Der ein oder andere Vorbesitzer hat versucht die Rostspuren oberflächlich mit Glasfaserspachtel zu kaschieren, den tiefsitzenden Rost konnte er oder sie damit allerdings nicht beseitigen. Geraldine und mir blieb nur die Möglichkeit den Rost zu entfernen. Ramon, ein alter Schulfreund von Geraldine, erklärte sich bereit, uns neue Bleche an unsere Granny zu schweißen. Somit sieht unsere Granny zumindest auf der Fahrerseite aus wie neu. Die Beifahrerseite zu schweißen hat selbst Ramon sich nicht zugetraut, da der 70l Dieseltank auf dieser Seite sitzt und wir alle Angst hatten, unserer Granny könnte uns durch das Schweißen um die Ohren fliegen. Auch die Heck- sowie die Schiebetür bedarf bei nächster Gelegenheit noch einiger Rostentfernung und Schweißarbeit.

Das Dachfenster haben wir schließlich, wie in einem anderen Artikel bereits beschrieben, auch erneuert. Das alte Plastikteil hatte sich nach und nach in seine Einzelteile zerlegt. Nun standen wir vor einem kleinen Problem. Das eingebaute Dachfenster von 1992 entsprach keinerlei DIN-Norm und das von uns bestellte neue Fenster passte um einige Zentimeter nicht in die dafür vorgesehene Öffnung. Es war minimal zu klein. Gut, dachten wir. Was nicht passt, wird dann halt mit viel Improvisation und Silikonklebmasse passend gemacht. Wir waren stolz wie Oskar, als das neue Dachfenster endlich drinnen war und noch stolzer als es auch nach dem ersten kräftigem Regen scheinbar dicht hielt. Weit gefehlt. Auf einem Kurzbesuch in Freiburg bei Geraldines Familie fiel mir auf, dass es in dem Fach in dem meine Klamotten lagen, ziemlich feucht war. Was tun? Wir brauchten mehr als nur Improvisation und Silikondichtmasse. Wir brauchten jemanden, der Ahnung und Lust hat, Sachen so perfekt es nur geht zu reparieren. Und Geraldines Papa Gerhard ist genau so jemand. Er erklärte sich sofort dazu bereit, uns bei unserem nassen Problem zu helfen und schon nach wenigen Stunden saß das Fenster wie angegossen und bis heute sitzen wir im Trockenen.

Was außer Dachfenster und Schweißarbeiten haben wir die letzten Monate noch so erledigt, damit sich unsere Granny auch wohlfühlt und für eine Weltreise vorbereitet ist? Mit Ralf, dem Stiefvater unseres Mitbewohners Jan, habe ich alle Öle gewechselt. Motorenöl mitsamt Ölfilter, Getriebeöl und das Differentialöl wurden von uns ausgetauscht. Somit läuft sie jetzt wieder wie geschmiert und lediglich das Motorenöl werden wir in ca. 5000km noch einmal wechseln. Der Rest sollte nach fachkundiger Meinung von Ralf für die nächsten 50.000km keine Sorgenfalten bereiten.

Durch gute Kontakte meines Vaters zu den Rostocker Werkstätten wurden bei unserer Granny auch gleich noch der Luft- sowie der Kraftstofffilter erneuert, die Bremsflüssigkeit gewechselt und obendrein bekam sie auch noch 5 neue Allwetterreifen verpasst. Weiterhin wurde ein kleines Loch im Auspuff geschweißt, damit sie nicht gleich alle schlafenden Hunde weckt, wenn sie um die Ecke kommt. Ein kleines aber wichtiges Detail bereitete weniger uns als Geraldines Stiefvater Lou große Sorgen, die Steuerkette. Wir haben uns viele verschiedene Meinungen eingeholt und der Konsens war stets der gleiche. Bei so alten und robusten Autos, wie unserer Granny, kommt es praktisch nie vor dass die Steuerkette erneuert wird. Selbst erfahrene Mercedes Benz Mechaniker teilten uns mit, sie hätten in ihrer ganzen Berufslaufbahn noch nie ein solches Teil ausgetauscht. Nach langem hin und her, ob wir dieses wichtige Teil im Motor erneuern lassen sollten, was uns ca. 1200€ gekostet hätte, entschieden wir die Steuerkette zunächst mal überprüfen zu lassen. Bei zu viel Spiel, wie es bei Fahrradketten auch vorkommen kann, reißen die Ketten schon mal und damit wäre der komplette Motor hinüber. Nach der Überprüfung hatten wir aber die Gewissheit, dass die Steuerkette absolut in Ordnung ist und somit nicht ausgetauscht werden muss. Neben den 5 neuen Allwetterreifen, die uns meine Eltern gesponsert haben, hat mein Vater auch noch eine neue Batterie aus seinem VW ausgebaut und uns überlassen. Wir haben somit unsere ältere und viel kleinere Boardbatterie gegen eine fast ungenutzte und größere Batterie ausgetauscht. Wir können dank der neuen Batterie und unseres Solarpanels eine ganze Weile ohne externen Strom auskommen.

Den Schlusspunkt unserer Vorbereitungen bildete unser Logo, welches wir unbedingt irgendwie auf unserer Granny verewigen wollten. Geraldine dachte zuerst daran, das Logo auf das Auto zu malen. Da wir aber zeitlich ein wenig unter Druck standen, schließlich hatten wir eine ganze Menge Hummeln im Allerwertsten und wollten doch einfach nur noch losfahren entschieden wir uns schließlich für die einfache und bequeme Variante. Wir bestellten in Staufen, einem kleinen Städtchen in der Nähe von Freiburg, in einem Folienprintshop drei Exemplare unseres Logos mitsamt unserer Internetseite. Innerhalb von drei Tagen waren die Folien fertig gedruckt und wir konnten den vorerst letzten Feinschliff vor unserer Abreise an unserer Granny vollbringen.

Aber wieso eigentlich Granny? Lange haben wir über einen Namen für unseren Bus nachgedacht. So richtig passen wollte aber irgendwie keiner. Als ich in Rostock den Bus auf meine neue Heimadresse umgemeldet habe, durfte ich mir auch ein neues Kennzeichen aussuchen. Ich entschied mich für ein GR 93 am Ende, eigentlich mit dem Gedanken für Geraldine und Robert. Als wir losfuhren, überlegten wir beide welche Wörter oder Namen es gibt die mit GR anfangen. „Grummel“, „Grint“, „Guru“, „GRANNY“, das war es. Für mich passte dieser Name perfekt zu unserem Auto, während Geraldine sich bis heute nicht wirklich damit anfreunden kann. Aber immerhin ist sie alt (schon 25 Jahre), hat eine weiße Grundlackierung (wie weiße Haare), hat schon so einiges erlebt auf Europas Straßen und hin und wieder tottert sie so vor sich hin wenn wir unterwegs sind. Und jetzt in ihrem gehobenen Alter soll uns diese alte Dame noch um die Welt bringen. Wir werden sehen, was uns drei noch so alles erwartet.

Auch Roberts Cousins Tillman und Gregor haben schon fleißig gepinselt und Rost mit der Bohrmaschine entfernt!

Schreibe einen Kommentar