Vorbereitungen – Das Zirkustraining

Im Winter war es gar nicht so leicht, jeden Morgen nach dem Aufstehen erst einmal an Frühsport zu denken. Wenn das Wetter vor der Haustür einem Trauerspiel gleich kommt, wie sollen wir uns da motivieren?
Es gibt Wochen, da können wir gar nicht genug bekommen vom Jonglieren, Dehnen und Handstände üben. Genausooft gibt es aber auch diese anderen Wochen. Diese Wochen in denen sich der ganze Körper wie eine alte eingerostete Maschine anfühlt, die nach Bettruhe, heißem Kakao und einer Tüte fettiger Chips schreit. Außerdem ist der Körper im Winter immer wieder am kränkeln und der Kopf findet genügend Gründe, warum das warme Bett der sicherste Ort für diesen Tag ist. Blöd, aber so ist das eben. Da ist es nur gut, dass wir nicht alleine sind und der eine dem anderen immer mal wieder ein kleines schlechtes Gewissen machen kann.
Die größte Motivation in diesen Phasen ist natürlich unser Plan, unsere Weltreise und da will keiner von uns eine Straßenshow zum vollen Blamage-Akt machen. Außer natürlich, es wird eine Clownshow! Die zweitgrößte Motivation ist für uns der nahende Frühling. Im Sonnenschein ist doch alles leichter, da hüpfen wir wieder über Blumenwiesen, hören den Bienen beim Pollenschlürfen zu und die Keulen fliegen von ganz alleine – oder so ähnlich. Ok, abgesehen von unserer Motivation, wie und wo wird eigentlich trainiert?

 

Mindestens jeden Donnerstagabend von 19-22 Uhr und einmal im Monat das ganze Wochenende. Im ZAK (Zirkus- Artistik Zentrum Köln) machen wir gerade, zusammen mit einer kleinen Gruppe junger Menschen, unsere Ausbildung zum Zirkustrainer. Im Juni findet dann eine große Abschlussgala statt. In einem großen roten Zirkuszelt vor etwa 200 Menschen, für die es sich lohnt die Pobacken zusammenzukneifen und auch außerhalb der Unterrichtszeit Akrobatik, Seiltanz, Jonglage, Rola Bola, Hula Hoop, Einrad und alle die anderen Dinge zu trainieren.

Unsere Ausbildung gibt uns immer wieder neue Impulse, doch ohne viel Übung außerhalb der Fortbildungszeit, kommt keiner weit. Allerdings ist eine Stunde Anfahrt hin und wieder ein Grund für uns, nicht nach Köln zu gurken. Also haben wir und Alternativen gesucht:

In Bonn gibt es einen kleinen Zirkus, Don Mehloni. Vor einiger Zeit hat unser Mitbewohner Robin dort angefangen, als Trainer zu arbeiten. Der Zirkusdirektor und Clown Jörg hatte kurz darauf Hilfe bei seinem Großumzug in ein altes Bauernhaus auf dem Land gebraucht. Da haben wir beide gleich mit angepackt und dürfen seit diesem Tag (außerhalb der regulären Kurse) umsonst im Don Mehloni trainieren. Allerdings funktioniert Partnerakrobatik nur zu zweit, sodass wir allzu oft einlenken und umdenken müssen. Hat der eine Zeit, muss der Andere Arbeiten. Hat der Andere Zeit, muss der Eine lernen. So geht das Spielchen weiter und feste Verabredungen zu treffen ist gar nicht so einfach.

Für spontane Trainingseinheiten muss jetzt im Winter zu Hause das Wohnzimmer herhalten. Wir selbst leben auch mit einigen Freunden in einem Fachwerkhäuschen auf dem Land. Allerdings sind die Decken in einem so alten Haus nicht gerade großzügig hoch gebaut, sodass Keulenjonglage und Zweimannhoch außerhalb des Möglichen liegen. Zudem sind wir nicht die einzigen Wohnzimmernutzer und so muss unser Mitbewohner Ulf, der Lehrer, neben fliegenden Bällen und außer Kontrolle geratenen Hula Hoops seine Referendariats Prüfung vorbereiten. Zwar hat er sich hinter einigen Bücherregalen verschanzt, aber mit Zirkusfreaks im Haus ist ihm die nötige Ruhe nicht immer gegönnt.

So finden sich immer neue Strategien, das Trainingspensum zu füllen. Der Winter war hart aber fair und im Sommer kann Zirkus für uns dann endlich wieder das sein, was es in der Geschichte schon immer war: Ein Reisegewerbe für immer und überall!

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